Ansegeln 2026 – Spannung pur – was für eine Regatta!

Johannes zieht beim „Ansegeln 2026“ an allen Regattaspezialisten vorbei

Unser Grillfest zur Saisoneröffnung wurde durch eine spannende Regatta gewürzt!

Unterbacher See, 12.04.2026. Es ist noch frisch am Morgen, als in eifriger Betriebsamkeit schon der große Grillplatz mit allerlei Fendern, Flaggen, Wimpeln, Tischdecken und Kaffeekannen geschmückt wird.
Die Segler des SV Refrath feiern das traditionelle „Ansegeln“ zur Eröffnung der neuen Segelsaison. Für fast alle der 16 Segler und Seglerinnen, die an der zugehörigen Regatta teilnehmen, ist es die erste Segelfahrt in diesem Jahr. Sieben weitere Mitglieder und Gäste feiern lieber an Land.

Gegen 11 Uhr werden die Mannschaften gebildet, um fünf Polyvalken zu bemannen.

   

Die Skipper sind:
Stefan, unser stv. Vorsitzender und Yachtsportwart, begeisterter Regattasegler auf großen Yachten.
Gerold, unser österreichischer Freund, der den weiten Weg gekommen ist und schon fast professionell Regatten segelt.
Steffen, der (Jollen-) Sportwart, der mit Jollen jonglieren kann, dass einem Angst und Bange wird
Johannes, der sich mit seiner 3,90 m langen Nussschale auf den Atlantik traut.
Und Frank, ein aufgehender Stern, der hoffentlich bald auch Yachten für den SV Refrath skippern wird.

Wie, was, und Thilo ist nicht dabei? Tja, ich habe mir einen Bänderriss am Fuß zugezogen und trage an diesem Tag offensichtlich den Spitznamen „Was hast Du denn gemacht?“ Jedenfalls sprechen mich alle Segelfreunde so an!

Ich mache das Beste draus und lasse mich zum Regattaleiter ernennen. Heißt: Ich stehe auf der Stegnock und mime die nördliche Begrenzung der Startlinie. Außerdem darf ich den Start pfeifen und nutze die einmalige Gelegenheit, Fotos und Videoaufnahmen zu machen.
Es wird ein recht kurzes Dreieck vereinbart: Gegen den schwachen Wind zur ersten weißen Regattaboje, diese an Steuerbord liegen lassen – hoppla, das irritiert unseren Regatta-Profi Gerold: Normal ist das nicht, denn so segelt man mit „Nachrang“ (Segel rechts) um die Tonne. Na und, was ist schon normal bei unserer Spaßregatta?
Mit etwa halbem Wind soll es zur zweiten weißen Regattaboje gehen, („die, die da rechts von der Badeplattform liegt“), und dann vor dem Wind zurück über die Start- und Ziellinie.
Also ab in die Boote und Segel gesetzt!

   

Um 11:45 Uhr ertönt der dreifache Startpfiff und los geht’s:

   

Tatsächlich sind vier Boote dicht an der Startlinie und schaffen fast einen „Null-Start“, allerdings mit wenig Fahrt in den Schiffen.

Wo ist Johannes?
Er kommt mit guter Fahrt etwa drei Bootslängen weiter hinten auf und kann sich mit freiem Wind in Luv schon nach wenigen hundert Metern in die Mitte des Feldes bringen.

Nun zeigt aber Gerold (der mit dem bunten Segel) seine Klasse: Er setzt seine ganze Mannschaft nach Lee und zeigt, was ein guter Lee-Trimm bei schwachem Wind leistet: Er kann damit die Spitze behaupten.
   

Stefan segelt etwas voller, macht dadurch aber seinen Weg so lang, dass sich Steffen auf Platz drei vorschieben kann.

Auf der Kreuz vor der ersten Tonne kann Gerold seine beiden direkten Verfolger, Johannes und Steffen, stören, indem er mit Wegerecht knapp vor ihnen kreuzt. Dabei verschätzt er sich aber in der Layline und muss kurz vor der Tonne noch zwei Schläge machen. Das bringt die Verfolger wieder näher. Johannes hat sich an Stefan vorbeigeschoben, der weniger hoch an den Wind ging.

Was ist das? Gerold geht nach Passieren der Badeplattform auf Vorwindkurs! Obwohl Johannes ihm noch zuruft, dass noch die weiße Tonne zu runden sei, läuft er direkt aufs Ziel zu. So kommt er zwar als Erster an, muss aber leider für diesen Lauf disqualifiziert werden und kassiert so den letzten Platz.

Johannes geht kurz danach als Zweiter durch die Ziellinie, dicht gefolgt von Steffen, der auf dem Halbwindkurs besonders schnell war.

Nur Frank tut sich bei dieser ersten Wettfahrt schwer und kommt mit deutlichem Abstand als Letzter ins Ziel. Das tut dem Spaß aber keinen Abbruch und er besucht in der Pause den Regattaleiter mit seinem Klumpfuß.

          

Und schon geht es wieder los. Runde zwei und wieder Gedränge an der Starttonne Sekunden vor dem Start:

   

Gerold hat wieder die beste Position: Bug zur Startlinie, dicht an der Luvtonne und in Luv von Stefan mit der 101. Aber er ist ein bisschen zu schnell und rollt kurz die Fock weg, um Fahrt rauszunehmen.

Noch auf anderem Bug rauscht das rote Boot von Steffen ran, muss den beiden anderen aber ausweichen. Trotzdem schafft er es mit seinem Speed, mit den beiden anderen fast gleichzeitig über die Startlinie zu gehen und sich kurz an die Spitze zu setzen.

Aber Gerold hat die Luv-Position und segelt schnell wieder nach vorne. Stefan hat die „Arschkarte“, die Lee-Position und muss alle Schiffe vorbeiziehen lassen. Auf wenigen Metern wurde er von Position 1 auf 5 durchgereicht.

Ja, auch Johannes kam wieder aus dem Rückraum angeschossen und war 90 Sekunden nach dem Start schon wieder auf Position 3. Alles genau dokumentiert in den Videos des Regattaleiters.

Zwei Minuten später, kurz vor der ersten Wendetonne: Frank konnte sich an die Spitze setzen, gefolgt von Gerold und Johannes in Luv-Position. Was ist mit Steffen, am Wind scheint ihm nicht so zu liegen, er ist nun an vierter Stelle. Nur Stefan, der in Lee abgehängt wurde, kommt noch hinterher.

Das ist Regatta-Segeln: Können, Glück und Taktik, und dann ein Puster von Rasmus im richtigen Moment und schon werden die Karten neu gemischt.

An der Tonne rundet Johannes als Erster, Gerold kann sogar in Lee an Frank vorbei auf Platz zwei ziehen, Stefan holt auf und hängt Steffen ab, der diesmal nicht die richtige Höhe laufen konnte.

Nun lässt sich Johannes den Sieg nicht mehr nehmen, auf dem geradesten Kurs segelt er zur Zieltonne. Es folgen Gerold, Stefan, Frank und Steffen, alle dicht nacheinander. Hier kann jeder segeln und alle Crews hat das Regattafieber gepackt!

Alles klar, wir schaffen noch einen dritten Lauf, bevor der Grill heiß ist.

Wieder tummeln sich vier an der Starttonne, nur Johannes hält sich etwas abseits. Aber was soll denn das? Gleich drei Boote, Steffen, Frank und Stefan, kommen von der falschen Seite und müssen noch vor dem Wind bis vor die Startlinie zurück. Aber Steffen in Lee der beiden anderen lässt sie lange nicht auf Kurs gehen, der alte Fuchs. Schließlich kommen alle drei dicht beieinander auf Gerold zu, der wieder in Luv der Starttonne lauert. Nun sieht der sich aber genötigt, dem Pulk auszuweichen und rutscht auf der Außenseite an der Starttonne vorbei, muss also auch nochmal zurück.

Das gab an Land noch hitzige Diskussionen, ob da ein Regelverstoß vorlag oder ob er nicht einfach rechtzeitig ein Stück hätte abfallen können. Aber er hatte wieder kaum Fahrt und daher nicht den richtigen Ruderdruck.

Frechheit siegt, und Steffen geht als Erster über die Startlinie, während Gerold es tatsächlich erst als Letzter schaffte. Steffen ist eben ein Zauberer an der Pinne auf engstem Raum.

An der letzten Wendetonne ist Steffen noch immer uneinholbar vorn und fährt einen ungefährdeten Sieg ein.

Auf den weiteren Plätzen wird es nochmal spannend, denn zum einen läßt der Wind nach, Johannes und Stefan geraten in ein kleines Flautenloch, wodurch sich Frank und Gerold an beiden vorbeischieben können.

Zum anderen kreuzt´en noch auf der Zielgerade zwei fremde Jollen mit Wegerecht den Kurs der Regattaboote, sie fahren knapp vor dem Feld durch – ihr gutes Recht, aber absolut schlechte Seemannschaft.

Muss das sein, was die O-Jolle da macht?

Ich muss sagen, ich hätte nie gedacht, dass die Beobachtung einer Regatta vom Steg aus so spannend sein kann! Wie spannend muss es erst auf den Booten gewesen sein!

Na, jetzt aber zum gemütlichen Teil. Manfred hat den Grill geheizt, alle haben diverse Leckereien mitgebracht, da lässt sich schlemmen.

 

Die Regatta gewann Johannes mit den Plätzen 1-1-5 bzw. 6,5 Punkten vor Steffen (2-5-1 bzw. 7,75 Punkte). Die drei Übrigen teilten sich Platz 3 mit je 10 Punkten (Gerold 5-2-3, Stefan 3-3-4, Frank 4-4-2).

Aber: der Tag war ein Gewinn für alle!

       Auf eine tolle Saison 2026!